| Der Agentenmacher von Darmstadt (Artikel im Darmstädter Echo) |
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Thomas Wenzel-Haberstock (42) ist Agentenmacher. Im Blitztraining bildete er kürzlich zwölf Geheimagenten aus, die bereits am Samstag ihre erste Mission absolvierten. Der Öffentlichkeit blieb die Jagd nach der gestohlenen Liste mit Deutschlands Top-Agenten freilich verborgen – schließlich war alles streng geheim. Koordiniert wurde der Einsatz von der Zentrale des Nachrichtensonderdienstes (NSD) im Seminarraum Großer Woog in der Jugendherberge am Darmstädter Badesee. Der Fall „Judas-Akte“ ist eine rein fiktive Mischung aus Stadtrallye, Rollenspiel und Detektivgeschichte. Wer als Erwachsener einmal in die Rolle eines Sonderermittlers schlüpfen will, der sollte die LARGs der Agentenmacher nutzen. LARG? Das steht für Live Alternate Reality Game – ein Rollenspiel, bei dem die Grenze zwischen fiktiven und realen Ereignissen permanent verwischt wird. Obwohl alles nur ein Spiel ist, das ist für die Teilnehmer klar, steht das LARG unter dem Motto „This is not a game“ – das ist kein Spiel. Jede Szene und jede Person, kurz: alles könnte zum Spiel gehören, vom Auftritt des ECHO-Fotografen bis zur Übergabe der Liste beim Finale in einem Darmstädter Jugendzentrum. „Die Spieler sollen zu jeder Zeit, an jedem Ort das Gefühl haben, das ist kein Spiel“, beschreibt Ausbilder Wenzel-Haberstock die Philosophie des Spiels. Wer sich jetzt an die Hörspielreihe „Die drei Fragezeichen“ oder auch an diverse Agentenfilme erinnert fühlt, liegt gar nicht falsch. Denn solcherlei gehört durchaus zu den Inspirationsquellen des Agentenmachers. Ebenso wie der Kinofilm „The Game“ mit Michael Douglas aus dem Jahr 1997. Anfang des Jahres gründete Wenzel-Haberstock den Verein „Agentenmacher“ min einem neuen Ansatz: Rollenspiele in der Realität. Aber nicht wie die üblichen Fantasy-Rollenspiele auf einem abgegrenzten Platz, ohne Zuschauer, sondern mitten in der Darmstädter Innenstadt. Zwar gibt es keine wilden Verfolgungsjagden, bei denen ein ganzer Fuhrpark zu Bruch geht, und auch sonst besteht zu keiner Zeit Gefahr für Leib und Leben der Spieler. Aber wer sich in die Rolle des Agenten fallen lässt, kann sich für zwei Tage der Illusion hingeben, er spiele eine wichtige Rolle bei der Lösung eines Kriminalfalles. An kreativen Einfällen und der passenden Ausrüstung mangelt es Wenzel-Haberstock nicht. Kein Wunder, denn auch im zivilen Leben ist er für Innovationen zuständig: als interner Strategieberater bei IBM. Zum Spiel gehören nicht nur die Teilnehmer in der Rolle der Agenten, sondern auch die NSCs. Was ist das nun wieder? Ein Team erfahrener Rollen- und Laienschauspieler, die als „Nicht-Spieler-Charaktere“ zum Spiel gehören. Für die Agenten besteht der Reiz darin, nicht zu wissen, wer dazu gehört und wer nicht. Farben zur Einstufung der Situation – grün steht für ungefährlich, rot für Gefahr – können verwirren. So bemerkte ein Spieler: „In Darmstadt gibt es verdammt viele Frauen mit roten Jacken!“ Wie sich bei der Abschlussrunde zeigte, hatten die zwischen 20 und 40 Jahre alten Teilnehmer viel Spaß bei der Mission. Die Stadt haben sie nebenbei auch noch kennen gelernt, denn die Agenten bewegten sich mit Hilfe eines Stadtplans fast ausschließlich zu Fuß, um ihren Fall aufzuklären. Unterstützt wird Agentenausbilder Wenzel-Haberstock von seiner Frau, die auch eine NSC-Rolle übernahm. „Unsere beiden kleinen Kinder, fünf und sieben Jahre alt, hätten auch gerne mitgespielt. Aber das passte in diesem Fall nicht ins Drehbuch“, sagt der Organisator schmunzelnd. Ihm hat die Mission gut gefallen, „die Kosten und Mühen haben sich gelohnt“, freut er sich. Und es sei spannend zu erleben, wie sich alles entwickelt, denn die Reaktion der Spieler ist ja nicht plan- und vorhersehbar – schließlich ist alles live. Die nächste Agentenausbildung ist im Frühjahr 2009 geplant. Dann können sich wieder bis zu zwölf Teilnehmer für ein Wochenende in der Jugendherberge einquartieren, um einen Fall zu lösen. Und wer als NSC teilnehmen möchte, kann sich ebenfalls im Internet unter www.agentenmacher.de informieren. von Jenny Geyer, Darmstädter Echo |




